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Sint Maarten - oder auch Saint Martin - das Eiland im Norden der Kleinen Antillen ist ein karibisches Unikum. Es ist die kleinste Insel der Welt, auf der zwei unterschiedliche Staaten koexistieren - und das ganz ohne Zäune und Grenzkontrollen, sondern nur mit Schildern, auf denen "Willkommen" steht.

Von den aus Südamerika stammenden Arawak-Indianern wegen der zahlreichen Salzseen "Soualiga", "Land des Salzes", getauft, wurde die Insel am 11. November 1493, dem Tag des heiligen Martin, von Kolumbus gesichtet. So entstand wohl der Name. Schon 1648, vor mehr als 350 Jahren, wurde die Insel geteilt. Während sich auf den Nachbarinseln die Kolonialmächte noch blutige Kriege lieferten, einigten sich Holland und Frankreich auf eine friedliche Koexistenz mit Freihafenstatus. Der Legende nach wurde die Grenze durch ein Gehrennen um die Insel festgelegt. Auf dem Weg musste der Holländer jedoch der Wirkung seines Gins Tribut zollen und dem selbstverständlich Rotwein trinkenden Franzosen somit den größeren Teil des Landes überlassen.

Zunächst mit Plantagen übersät, versank Sint Maarten in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts in einer Depression, die bis 1939 andauerte, als schließlich alle Import- und Exportsteuern aufgehoben und die Insel ein zollfreier Hafen wurde. Mitte der Fünfziger Jahre wuchs die Erkenntnis, dass Tourismus eines der hauptsächlichen Standbeine der Insel sein könnte. Gestützt durch die schnelle Konstruktion von Casinos, Geschäften, Hotels, einem Tiefwasserdock für Kreuzfahrtschiffe und einem internationalen Flughafen sowie dem Boom des Yachtchartergeschäfts entwickelte sich ein starker Fremdenverkehr. Genau wie die Wirtschaft wuchs
auch die Bevölkerung. Aktuell zählt sie etwa 75.000 Einwohner.

Nach wie vor zieht der Wunsch nach besseren Arbeitsverhältnissen Bewohner anderer karibischer Inseln und der klassische Traum vom Aussteigen Europäer und Amerikaner an. Auf nur 96 Quadratkilometern drücken heute Lokalbevölkerung, Immigranten aus über 120 Nationen und auch Touristen Sint Maarten ihren persönlichen Stempel auf. Das macht die Insel zwar nicht mehr typisch karibisch, aber zu einem mehrsprachigen, multinationalen und mehrfarbigen Mikrokosmos mit vielen Kontrasten. So grenzen die massiven Luxusvillen der Terres Basses an wackelige Hütten in Sandy Ground und die touristischen Hotels, Restaurants und Casinos ecken an noch vorhandene traditionelle karibische Gebäude in den beiden Hauptstädten Philipsburg und Marigot. Entspanntes Wandern auf den nahezu unerschlossenen Hügeln des französischen Innenlands steht dem Nachtleben des holländischen Teils gegenüber.
© Christian Korte - www.chkorte.de
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